1. Woche

 

12 T-Shirts, 4 Paar Hosen, 1 Rock, 3 Paar Schuhe… Puh – wie viele Kleider braucht der Mensch? Nachdem wir uns dann doch auf einige wenige Sachen festgelegt hatten (die in immerhin 3 Koffern Platz gefunden haben) ging unser Abenteuer bereits am Sonntagvormittag um ca. 10 h los. Vor uns lagen 2 Flüge à 12 resp. 6 Stunden nach Kuala Lumpur resp. anschliessend Perth. Nur die Aussicht auf unsere 8 Wochen Ferien konnte uns da etwas aufheitern. Glücklicherweise waren beide Flüge sehr angenehm und wir konnten zumindest ein bisschen Schlaf geniessen. Pünktlich landeten wir am Montagnachmittag in Perth und schon ging’s los mit dem „Queuen“. Nachdem uns der freundliche Pass-Kontrolleur nochmals darauf hingewiesen hatte, dass wir auch wirklich keinen Food, geschweige denn „Soil“ (sprich Dreck) einführen dürfen, konnten wir endlich unser Gepäck abholen. Damit genug der Kontrolle? Weit gefehlt! Nochmals anstehen und alle Koffer durch den Röntgen-Apparat schicken… Doch dann waren wir endlich da! Ab ins Taxi und ins Aarons Hotel mitten in der City. Mittlerweile war es Abend geworden und wir machten so nur noch einen kleinen Spaziergang, um zum einen die nähere Umgebung zu erkunden und zum anderen, um unsere knurrenden Mägen noch zu beruhigen, bis wir dann um 20.00 h todmüde ins Bett fielen.

 

Am Dienstagmorgen, 1.2.05, fühlten wir uns frisch, um Perth zu erobern. Selbstverständlich durfte auch das Shoppen nicht zu kurz kommen. Glücklicherweise kann die City ohne weiteres zu Fuss erkundet werden. Allerdings hatten wir den Temperatur-Unterschied etwas unterschätzt (Schweiz -10° C / Perth +33° C), so dass wir gegen Mittag erst einmal eine Siesta machen mussten. Dafür ging’s am späteren Nachmittag nochmals los, um auch einen der vielen Parks anzuschauen. Die Australier essen alle etwas später als wir, und so haben wir festgestellt, dass es auch am Dienstagabend um 20.30 h nicht ganz einfach ist, einen guten Tisch in einem Restaurant zu ergattern. Macht nichts – dafür haben wir gut gegessen, dabei sogar Live-Musik genossen und nebenbei noch die schwedische Segler-Nationalmannschaft getroffen.

 

Am 2.2. konnten wir schon unser Auto in Empfang nehmen. Ralf vom TCC (Travel Car Center) kam uns zu diesem Zweck sogar im Hotel abholen. Bis zum TCC war’s nicht allzu weit – zumindest für australische Verhältnisse ;-) – und bald wurden wir in die Geheimnisse eines Panel Vans inkl. Camper-Zubehör eingeweiht. Schon ging’s los und wir mussten unseren Weg zurück in die City selber finden. Zum Glück waren wir mit einer guten Karte ausgestattet worden, so dass wir unser Hotel im ersten Anlauf auch schon wieder fanden. Das mit dem Parking war denn allerdings etwas weniger einfach… Den Rest des Tages verbrachten wir in aller Ruhe, um uns noch etwas Erholung vor der grossen Fahrt zu gönnen.

 

Donnerstag, 3.2.05: Die grosse Reise begann! Von Perth ging die Fahrt südwärts Richtung Fremantle, von wo wir endlich den Indischen Ozean bestaunen konnten. Jetzt hiess es, unsere Vorräte aufzustocken und Eis für unsere Kühlbox zu organisieren. Gesagt – getan. Weiter ging die Fahrt immer Richtung Süden nach Bunbury. Allerdings hat uns diese Kleinstadt nicht unbedingt gefallen, so dass wir uns nur eine kleine Erfrischung gönnten und gleich wieder weiter fuhren. Auch Busselton begeisterte uns nicht wirklich, so dass wir es rechts liegen liessen und direkt Cape Naturaliste ins Visier nahmen. Unterwegs hielten wir noch im Visitor Center in Dunsborough, wo wir für einen guten Freund noch australische Samen erstanden (sein Wunsch sei uns Befehl…) J Das Lighthouse schliesslich in Cape Naturaliste bewunderten wir nur von weitem, da uns der Eintrittspreis etwas hoch erschien. Das Wetter war uns auch heute wieder wohl gesonnen; über Kälte können wir wirklich nicht klagen (z. Zt. 39° C)! Gegen Abend kamen wir an unserem Etappenziel Augusta an, ein hübsches kleines Fischerdorf in der Finders Bay. Hier schlugen wir unsere Zelte im Augusta-Hotel auf und genossen ein Abendessen mit einer herrlichen Aussicht auf die Bay.

 

Freitag, 4.2.05: René scheint unter Schlafstörungen zu leiden, heute Morgen ist er doch schon um 5.15 h aufgestanden und hat das Hotelzimmer in aller Herrgottsfrühe verlassen. Dafür sind einige wunderschöne Fotos zustande gekommen. Bevor wir uns Richtung Albany aufmachten, wollten wir noch das Cape Leeuwin mit dem bekannten Waterwheel anschauen. Eine fantastische Aussicht belohnte uns für den kleinen Abstecher. Weiter ging’s mit unserer Fahrt Richtung Albany. Unterwegs verpassten wir einen Abzweiger und machten so einen rund 150 km langen Umweg. Macht nichts – schliesslich soll ja der Weg das Ziel sein! Dafür hielten wir in Nannup an einer Bäckerei, wo’s endlich wieder einmal kein „Fluffy“-Brot gab, sondern ein hervorragendes Käse-Salat-Sandwich. Bei einer kurzen Rast zwischen Pemberton und Walpole stellten wir mit Schrecken fest, dass uns tatsächlich der Tankdeckel abhanden gekommen war. „Was tun?“ sprach Zeus… Ganz einfach: Man fährt weiter bis zur nächsten Stadt und fragt sich durch. Leider war in Walpole unsere Grösse des Tankdeckels nicht verfügbar, doch der nette Verkäufer half uns weiter, indem er uns ein gelbes Plastik-Provisorium verkaufte. Zumindest in Albany sollten wir Glück haben. Dort war unsere gewünschte Grösse verfügbar und René erstand einen nigelnagelneuen Tankdeckel für $ 34.11. Das Provisorium behalten wir aber vorsorglich… J In Albany wollten wir auch übernachten, doch der erste Versuch war alles andere als erfolgreich. Also: Weitersuchen und beim zweiten Mal hat’s dann geklappt: Wir haben im Frederickstown Motel ein Zimmer gefunden.

 

Samstag, 5.2.05: Unsere Vorräte waren etwas erschöpft; zudem hält das Eis in der Kühlbox nicht so lange, wie gewünscht. Also: Auf ins Shopping-Center! Nachdem ich mich eigentlich auf 8 Wochen weiches Brot eingestellt hatte, erlebe ich heute eine Überraschung. Wir finden tatsächlich ein knuspriges Weissbrot. Mmmh…

Albany zu verlassen und den South Coast Highway No 1 zu finden, erwies sich als trickreich. Nach einer – eher unfreiwilligen – Rundfahrt durch diese Stadt fanden wir dann aber doch noch unseren Weg, der uns heute Richtung Esperance führen sollte. Wir waren uns bewusst, dass die Strecke landschaftlich wohl nicht sehr abwechslungsreich werden würde. Und so machten wir kurz entschlossen einen Abstecher Richtung Bremer Bay (zusätzlicher Zeitaufwand: ca. 1 ¼ Std.). Das kleine Dorf direkt am Meer war an und für sich nichts Besonderes. Doch die Strände mit vielen Wasservögeln und das türkisblaue Meer begeisterten uns auf Anhieb. René konnte nicht widerstehen und nahm denn auch ein kleines Säckchen strahlend weissen Sand mit. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Fahren, fahren, fahren. Soweit das Auge blickte, nur Buschland und – leider – ab und zu tote Tiere auf der Strasse. In Esperance, welches wieder direkt am Meer liegt, liessen wir uns im Motel Comfort Inn nieder und genossen die Annehmlichkeiten des etwas „gehobeneren“ Standards, sprich Swimmingpool und Spa.

 

Sonntag, 6.2.05: Die uns bevorstehende Weiterreise Richtung Port Augusta machte uns etwas kribblig, da wir wussten, dass uns „the most boring highway in the world“ bevorstand. Kilometerlang (insgesamt ca. 1500 km von Norseman bis Port Augusta) nur gerade Strecken, rund um uns Steppe und nach einigen Dutzend Kilometern jeweils wieder ein so genanntes Roadhouse mit Tankstelle. Es empfahl sich daher, nicht mit fast leerem Tank unterwegs zu sein… Unterwegs stellten wir fest, dass wir die Uhren um eine ¾ Stunde vorstellen sollten (?!). Zum Glück wusste ich von Kollegen, dass dies durchaus kein Scherz darstellte! J Inmitten unserer Fahrt erlebten wir eine angenehme Abwechslung. Wir hatten schon fast geglaubt, dass lebende Kängurus nur noch in Zoos existieren!* Doch am Strassenrand standen tatsächlich zwei quicklebendige Exemplare dieser – wie es scheint – seltenen Art! ;-) Nach fast 800 km hatten wir dann genug Road Trains und tote Tiere am Strassenrand (oder auch auf der Strasse) gesehen und liessen uns im Roadhouse in Madura nieder, wo wir auch ein köstliches Abendessen genossen. Zurück im Zimmer erlebte René eine Überraschung der eher unangenehmen Art: Eine Kakerlake hatte sich leider in unsere Dusche verirrt… (Iiih!) Tapfer, wie er ist, machte er kurzen Prozess mit dem ungebetenen Gast und genoss anschliessend die wohlverdiente Erfrischung.

*(Kommentar reNé) Wie die Geschichte wirklich war: Lange diskutierten wir schon, ob die Känguru-Kadaver am Strassenrand (evt. aus Gummi) einfach für die Touristen hingelegt werden – und es in Australien gar keine Tier dieser Art mehr gibt. Bloss - was machten sich dann die Krähen am „Gummi“ zu schaffen?  Sind die Vögel evtl. vorher schon mit Autoreifen abgerichtet worden? Ihr seht: lange Fahrten durch einsame Gegenden beflügeln die Fantasie. ;-)